„Wegen seiner Eigenschaften ist das Val Grande gefährlich“ steht auf den Schildern des Parco Nazionale ValGrande.

Es Bedarf auch wirklich schon einiges an Erfahrung im Bergwandern damit die Traumtouren im Val Grande nicht zu Tort(o)uren werden.

Schwieriges Gelände, große Distanzen, viele viele Höhenmeter sowie schlecht gekennzeichnete Wege sind nur einige der Dinge mit denen der Bergwanderer konfrontiert wird und die es zu bewältigen gilt. Achtung: Mobilfunkempfang gibt es fast im gesamten Nationalpark nicht!

Val Grande - Lago Maggiore

Lago Maggiore

Das Val Grande in der italienischen Region Piemont ist mit ca. 15000 ha das größte Wildnisgebiet der Alpen und erstreckt sich von den Viertausendern des Monte Rosa bis zum Lago Maggiore. Die Vegetation reicht von Buchen und Erlen über Kastanienwälder bis hin zur Grasheide und ist unterhalb von 1800m Höhe sehr dicht bewachsen. Im Nationalpark findet man eine artenreiche Fauna, deshalb ist auch vom Konsum von unbehandeltem Oberflächenwasser abzuraten.

Vorzufinden sind, wie auch im Norden der Alpen, Steinböcke, Murmeltiere, Gämsen, Bergdohlen und Adler sowie Rot- und Damwild. Weiter im Süden des Val Grande kommen noch Skorpione, Schlangen (Vipern), zahlreiche Eidechsenarten, z.B. die Smaragdeidechse hinzu. Keine Angst, die Skorpione hier können dem Menschen nicht gefährlich werden. Die Gefahr eines Schlangenbisses ist jedoch, durch die Unzugänglichkeit des Gebietes, ernst zu nehmen. Eine akute Gefahr geht aber auch nicht von den Schlangen aus, da sie meist schon weg sind bevor wir uns ihnen nähern. Es sind sehr scheue Tiere und Schlangen reagieren empfindlich auf jede Erschütterung des Bodens. Menschen sind ja bekanntlich nicht leise. Nach der Tour sollte man sich unbedingt nach Zecken absuchen, die gefährliche FSME wird in dieser Region zwar nicht übertragen aber es bleibt ja dann immer noch das Restrisiko der Borreliose.

Früher war das Val Grande zwar besiedelt, es hat aber nie eine richtige Straße existiert, außer der Strada Sutermeister, auf die ich später noch zurückkommen werde. Die Alp- und Holzwirtschaft ist bereits im letzten Jahrhundert verschwunden und so hat sich die Natur mittlerweile alles zurückerobert. Wir finden hier und da nur noch die verfallenen Steinhäuser dieser Zeit. Im zweiten Weltkrieg haben sich Partisanen im Val Grande verschanzt und erbitterten Widerstand gegen die deutsche Besatzung geleistet.

Je nach Tour eignet sich das Val Grande ganzjährig für einen Besuch. Meist kommt der Frühling schon ab Mitte März (nur in diesem Jahr nicht!!!) und die südseitigen Berge tauen durch die intensive Sonne schnell ab. So sind schon früh im Jahr Gipfelbesteigungen möglich. Der Sommer im Val Grande ist sehr heiß, bietet dann aber perfekte Bedingungen für Touren in der Region des Monte Rosa. Im Herbst haben wir durch die klare Luft und die stabile Wetterlage die größte Fernsicht und der Indian Summer bietet ein wahres Feuerwerk an Farben. Selbst im Winter locken Schneeschuhtouren im Gebiet rund um den Lago Maggiore.

Da das Wetter dieses Jahr Kapriolen schlägt und um etwas unabhängiger davon zu sein, haben wir als Ausgangspunkt unserer Touren den Campingplatz Parisi in Baveno am Lago Maggiore gewählt. Ansonsten empfehle ich Cicogna, den einzigen bewohnten Ort im Val Grande. Hier ist besonders Corte Merina zu erwähnen, ein kleiner landwirtschaftlicher Familienbetrieb, wo man Produkte aus der Region erwerben und auch übernachten kann. Außerdem findet man in Cicogna noch die Infostelle „Haus des Parks“. Die Anreise mit dem Auto zu den jeweiligen Ausgangspunkten der Touren ist nochmal ein kleines Abenteuer für sich…


Monte Faié

Am ersten Tag haben wir uns den Monte Faié vorgenommen. Hier kann man gleich seine Kondition testen, da man im Auf- und Abstieg auf etwa 12,5 km, mehr als 2000 Höhenmeter zu bewältigen hat. Wir steigen von Bracchio über die wunderschön gelegene Alpe Vercio hinauf zum Aussichtsgipfel Monte Faié. Über dem Lago di Mergozzo liegt Bracchio, der Startpunkt unserer Rundtour. Zunächst geht es über eine mit Steinen gepflasterte Mulattiera hinauf bis zur wunderschön gelegenen Alpe Vercio. Die Wiesen dort oben sind mit Rhododendren (erinnert mich immer an Nepal) und Azaleen bepflanzt. Weiter geht es zunächst über ein Waldstück, dann über die felsige Scharte des Colma di Vercio hinauf auf den Rücken des Monte Faié. Die Vegetation schlägt hier in Heidekraut, Ginster und Farne um. Oberhalb der Scharte nun immer auf dem Bergrücken entlang bis zum Gipfel des Monte Faié. Von hier bietet sich ein atemberaubender 5-Seen-Blick auf Lago d´Orta, Lago di Mergozzo, Lago Maggiore, Lago Monate und dem Lago di Varese. Auf der anderen Seite blickt man in die Berge des Val Grande. Die große Gipfelwiese lädt förmlich zu einer ausgiebigen Rast ein. Hinunter steigen wir dann auf dem Ostrücken des Monte Faié bis zum Rifugio Fantoli auf der Alpe Ompio und weiter bis zu den Steinhäusern der Alpe Ruspesso. Hier kreuzt der Wanderweg dann mehrmals die asphaltierte Straße. Entlang der Cappella del Roccolo weiter über die Cappella di Erfo und dann nach rechts durch den Wald hinunter geht es zurück nach Bracchio.

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Rifugio Andolla

Der zweite Tag führt uns zum Rifugio Andolla im Valle Antrona Regional Park. Von der Alpe Cheggio geht es zunächst hinauf bis zum Lago Alpe dei Cavalli. Dort über den Staudamm und immer am linken Ufer entlang bis zu einer Holzbrücke. Wir steigen weiter über eine zweite Brücke und danach immer den Loranco entlang, hinauf bis zur Alpe Gabi. Nach verlassen des Uferweges erreichen wir die Kapelle am Piana Ronchelli. Nun weiter bis wir die Gabelung zur Alpe Campalamama erreichen. Dort überqueren wir die tibetische Brücke zu den Pozzoli Seen und gelangen so zur Alpe Andolla mit der gleichnamigen Hütte. Erst von hier aus eröffnet sich das ganze Panorama auf die Pizzo Andolla Gruppe.

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Monte Todano

Eine weitere aussichtsreiche Wanderung führt über die Cappella Porta und den Pian Cavallone zum Monte Todano. Wir starten am Parkplatz der Cappella Fina und folgen dem breiten Forstweg in den Wald. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir eine Gabelung an der wir uns rechts halten. Nach 20-30 Minuten Gehzeit mündet dieser dann in einen Pfad. An der Kreuzung zur Cappella Porta halten wir uns links und steigen steil (Weg Nr.9) durch den Wald auf. Wir bleiben auf diesem Weg der uns nach einiger Zeit aus dem Wald führt und erreichen so den Hang des Monte Todano. Von hier aus sehen wir schon das Refugio und den Pian Cavallone. Oben angekommen geht es auf dem Sattel weiter bis zum Gipfel des Monte Todano. Die Belohnung: Ein atemberaubendes Panorama auf die Berge und Täler des Val Grande und auf die Ostseite des Monte Rosa mit seinen zehn (!!!) Viertausendern. Von hier oben geht es dann zunächst den Weg zurück bis zur kleinen Kapelle Valgrande Martire auf dem Pian Cavallone und über den rot-weiß markierten Wanderweg bis zum Ende der Hochebene. Hier steigen wir nach links ab und wandern immer den Osthang des Pizzo Pernice entlang. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Berge des Varesotto. Schließlich erreichen wir die Gabelung, die wir schon vom Hinweg kennen und sind kurz darauf wieder am Parkplatz der Cappella Fina angelangt.

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Cicogna

Der letzte Tag führt uns von Cicogna über die Strada Sutermeister direkt ins Herz des Val Grande. Schon die Anfahrt über die mehr als enge Straße nach Cicogna ist ein Abenteuer für sich! Mit einem Camper kommt ihr da auf jeden Fall nicht hoch! Wir starten unsere Wanderung direkt am „Haus des Parks“ und folgen dem Wegweiser über die Strada Sutermeister, hoch über dem tosenden Rio Pogallo, bis zur gleichnamigen Siedlung. Die Strada Sutermeister entstand zu Zeiten der Holzwirtschaft im Val Grande. Der Schweizer Carlo Sutermeister, ein Großindustrieller und Genie (er war Mitbegründer des Banco Populare di Intra und Erbauer des ersten Wasserkraftwerkes mit Wechselstromübertragung in Italien) seiner Zeit, stieg Ende des 19. Jahrhunderts in die Holzindustrie des Val Pogallo ein und ließ dort für die Holzfäller eine „Straße“ anlegen. Knapp 25 Jahre nach Sutermeister folgten während des zweiten Weltkrieges unmenschliche Verbrechen im Val Grande und in Pogallo. In den Jahren 1943– 44 entstand in Norditalien eine heftige Widerstandsbewegung gegen die deutschen Besatzer. Nachdem die Partisanen in Fondotocce das Hauptquartier der Faschisten überfielen, 50 Gefangene nahmen und mit diesen, sowie den erbeuteten Waffen ins Val Grande flohen, folgte eine Hetzjagd mit der Beteiligung tausender faschistischer Soldaten auf die mutigen Widerstandkämpfer. Kurz darauf waren 300, der etwa 500 Partisanen und 250 faschistische Soldaten tot. Sie verhungerten, stürzten in dem schwierigen Gelände ab oder wurden Opfer der im Val Grande durchgeführten Exekutionen. So auch in Pogallo, wo 18 junge Partisanen durch Erschießung ihr Leben ließen. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an dieses schreckliche Kapitel. Von diesem heute idyllischen Ort führt ein, oberhalb der Siedlung beginnender, etwas schwierig zu findender und sehr steiler Pfad über die Alpe Caslu zur Alpe del Braco. Ab hier folgt man dem Wegweiser und der Markierung zum Rifugio Alpe Pra und steigt weiter durch einen Kastanienwald nach Cicogna ab.

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