Buenos Aires – Das Tor nach Argentinien.

Im Landeanflug auf Buenos Aires eröffnet sich dem Reisenden die Größe der südamerikanischen Metropole und lässt die Dimension des Landes erahnen. Buenos Aires empfängt mich, wie ich es mir vorgestellt habe: heiß, laut und chaotisch. Da es mittlerweile später Abend ist, bin ich froh schon eine Unterkunft zu haben und nehme ein Taxi ins Microcentro. Erschöpft von der langen Reise falle ich in einen süßen, balsamischen Schlaf.

Da ich zum Trekking nach Argentinien gekommen und Buenos Aires in mich aufsaugen möchte, mache ich mich nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Mein erstes Ziel ist der Obelisk auf der Avenida de 9 Juli. Die Straße ist mit 7 Fahrspuren je Richtung und einer Breite von 140 Metern schon fast ein Fußgängeralptraum – zum Glück ist Sommer und die Stadt merklich leerer, da zu dieser Zeit viele Porteños selbst im Urlaub sind.

Der Obelisk auf der Avenida de 9 Julio in Buenos Aires

Der Obelisk auf der Avenida de 9 Julio in Buenos Aires

Vom Obelisk führt mich die Diagonal Roque Sáenz Peña direkt zur Plaza de Mayo, dem historischen Zentrum von Buenos Aires. Hier befand sich das Zentrum der Siedlung, die 1580 von Juan Garay gegründet wurde. 1811 wurde zum ersten Jahrestag der Mai-Revolution die Pirámide de Mayo aufgestellt. Jeden Donnerstag treffen sich hier die Madres de Plaza de Mayo, die bekannteste Menschenrechtsgruppe Argentiniens.

Die Plaza de Mayo in Buenos Aires

Die Plaza de Mayo in Buenos Aires

Da auf der Plaza auch die Casa Rosada – der Präsidentenpalast steht, fanden hier schon immer Demonstrationen für oder gegen die Regierung statt: Auf diesem Platz wurde die Unabhängikeit von Spanien verkündet, genau hier ließ auch Evita Perón die Descamisados gegen die Festnahme ihres Ehemanns demonstrieren, 1982 feierten hier die Argentinier die Militärinvasion auf den Malwinen und 1983 die Rückkehr zur Demokratie, die sie letztendlich 1987 gegen erneute Putschversuche verteidigten – ein Platz auf dem Geschichte geschrieben wird.

Unweit der Plaza liegt das Viertel Puerto Madera mit der Puente de la Mujer, einer Zugbrücke für Fußgänger, die hier das Hafenbecken überspannt. Im Hafenbecken liegen auch zwei Museumschiffe vor Anker: Die Corbeta Uruguay und die Fragata Sarmiento. Die Korvette Uruguay rettete 1903 die gescheiterte Nordenskjöld-Expedition aus der Antarktis und die Fregatte Sarmiento war zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Flaggschiff der argentinischen Marine. Direkt hinter dem Hafenbecken 4 gelange ich zum nördlichen Eingang der Reserva Ecológica Costanera Sur, einem 350 Hektar großen Schutzgebiet, das heute zur Heimat zahlreicher Tierarten geworden ist. Über die vielen schönen Wege wandere ich weiter bis zum Rio de la Plata.

Ich wähle den gleichen Weg zurück und laufe die schnurgerade Avenida de Mayo hinunter bis zum beindruckenden Congreso Nacional, der dem Kapitol in Washington nachempfunden wurde.

Der Congreso Nacional in Buenos Aires

Der Congreso Nacional in Buenos Aires

Über die Av Entre Rios und die Av Independencia erreiche ich schließlich den Stadtteil San Telmo, der früher ein Hafenviertel war und heute viele Künstler beheimatet. Auf der Plaza Dorrego genehmige ich mir erstmal ein kühles Bier und bewundere die Tangotänzer, die direkt vor meinen Augen eine wirklich tolle Show abliefern. Unter der Woche fällt die Plaza in eine Art Dornröschenschlaf, um sich sonntags in eine große Freiluftbühne zu verwandeln – jeder der irgendetwas Außergewöhnliches kann, zeigt sich.

Nach der wohlverdienten Pause schlendere ich noch eine Weile durch San Telmo, schaue mir die schmucken Kolonialkirchen und die Markthalle an, bevor ich mich auf den Weg in den legendären Stadtteil La Boca mache.

La Boca liegt am Riachuelo, der hier in den Rio de la Plata fließt und zu den dreckigsten Flüssen der Welt zählt. Vorbei an der Bombonera, dem Stadion der Boca Juniors, gelange ich zum Caminito und bewundere die bunten Häuserfassaden sowie das Kunsthandwerk, das hier überall angeboten wird. Auch wenn hier alles inszeniert ist, werden die Häuser ganz normal bewohnt.

Nach einer weiteren wohlverdienten Stärkung 😉 und mehr als 25 Kilometern auf dem Tacho mache ich mich nochmals auf zu meinem letzten Ziel, dem Cementario de la Recoleta. Der Friedhof im Stadtteil Recoleta wartet mit monumentalen Mausoleen auf und ist unbedingt einen Besuch wert. Hier liegt in der eher schlichten Familiengruft der Duartes auch Eva Perón begraben. Die Argentinier lieben Eva und dementsprechende groß ist meistens auch der Andrang an ihrem Grab.

Der Friedhof von Recoleta

Der Friedhof von Recoleta

Nach dieser großartigen Runde durch eine einzigartige Stadt falle ich erschöpft ins Bett und freue mich auf meine Weiterreise in den andinen Nordwesten – Quebrada de Humahuaca ich komme!

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