Quebrada de Humahuaca – Wandern wo Argentinien den Himmel küsst.

In der Hoffnung wenigstens die Hälfte der dreiundzwanzigstündigen Busfahrt in den äußersten Nordwesten Argentiniens zu verschlafen, verlasse ich Buenos Aires erst am späten Abend. Als ich aufwache traue ich meinen Augen nicht und habe etwas Angst abzusaufen. El Niño hat dieses Jahr heftiger zugeschlagen als in den Jahren zuvor. Weite Teile des argentinischen Nordostens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays stehen unter Wasser und obwohl ich auf dem Weg in die Provinz Juyjuy bin, bekomme auch ich die Auswirkungen deutlich zu spüren.

Quebrada de Humahuaca - Die Auswirkungen von El Nino

Doch der Busfahrer scheint die Strecke mehr als gut zu kennen – zumindest navigiert er uns zielsicher, wenn auch um vier Stunden verspätet, nach San Salvador de Juyjuy. Froh nach der langen Fahrt in einem Bett zu schlafen, verbringe ich eine schwüle Nacht in der Provinzhauptstadt, bevor ich mich am nächsten Morgen auf den Weg in die Quebrada de Humahuaca mache. Das Tal ist eines der wenigen Einschnitte in die Hochebene des Nordwestens, der Puna. Es dient schon seit Jahrtausenden als Verbindung zwischen dem Altiplano und den tiefer gelegenen Gebieten.

Tilcara – Ausgangspunkt für Touren in der Quebrada de Humahuaca

Als Ausgangspunkt für meine Touren und Unternehmungen in der Quebrada, wähle ich das zentral gelegene Tilcara aus. Tilcara ist ein Quetschua-Wort und bedeutet Sternschnuppe, ein ziemlich treffendes Wort für diese wunderschön gelegene Siedlung inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft. Im Südosten wird der Ort vom 4851 Meter hohen Cerro Negro de Zucho überragt.

Die atemberaubende Berglandschaft rund um Tilcara

Die atemberaubende Berglandschaft rund um Tilcara

Unter den vielen schönen Wanderungen rund um Tilcara mache ich zuerst die Tour zum Canyon und dem Wasserfall Garganta del Diablo. Immer wieder muss ich stehen bleiben weil mir der Atem stockt – nicht aufgrund der Höhe, sondern weil ich überwältigt von dieser Bilderbuchlandschaft bin. Auch den Besuch der alten Siedlung Pucará de Tilcara, einer mit Kakteen bewachsenen, rekonstruierten präkolumbischen Festung mit angeschlossenem Botanischen Garten, lasse ich mir nicht entgehen. Wer an Kunsthandwerk interessiert ist, sollte hier oder in Purmamarca zuschlagen, es ist definitiv weit und breit das beste Angebot.

Purmamarca und die Salinas Grandes

Die alte Inkasiedlung Purmamarca wird vom Cerro de los Siete Colores überragt und das Farbenspiel dieses Berges ist besonders am frühen Morgen, wenn die Sonne noch ein weicheres Licht wirft, wirklich spektakulär. Vom zentralen Dorfplatz mache ich mich auf den Camino de los Colorados, einer kurzen Wanderung rund um den farbenfrohen Berg.

Das Dorf Purmamarca in der Quebrada de Humahuaca - Provinz Juyjuy

Das Dorf Purmamarca in der Quebrada de Humahuaca – Provinz Juyjuy

Wieder in Purmamarca angekommen, schaue ich mir noch die alte Dorfkirche an, bevor mich ein Kleinbus zu den Salinas Grandes bringt. Die Fahrt dorthin ist echt beeindruckend und mit neun weiteren Gefährten an Bord, pfeift der alte Ford aus dem letzten Loch, bis er sich über zahlreiche Serpentinen auf den 4170 Meter hohen Pass geschraubt hat. Von hier oben sieht man schon hinunter auf die unwirtliche Landschaft der Salinas Grandes – noch beeindruckender sind wahrscheinlich nur die Salare in Bolivien. An den Salinas Grandes bekommt man einen sehr guten Einblick in die Knochenarbeit der Salineros, die in ihren Pausen sogar noch Luft für ein Fußballspiel auf 3500 Metern Höhe haben.

Quebrada de las Señoritas und Humahuaca

Mein letzer Tag in der Quebrada de Humahuaca führt mich zuerst in die Quebrada de las Señoritas. Von Tilcara fahre ich mit dem Bus nach Uquia, wo ich direkt an der Straße nach Humahuaca aussteige. In dem verträumten Nest scheint niemand unterwegs zu sein und es dauert eine ganze Weile, bis ich einen alten Mann treffe, den ich nach dem Weg zum Trailhead frage. Tatsächlich sollte ich auf der ganzen Tour niemandem mehr begegnen. Der Pfad ist nur teilweise markiert und führt unschwierig bis in die Quebrada de las Señoritas. Die roten Felsformationen um mich herum strahlen etwas Mystisches aus und ich empfinde eine tiefe Ruhe. Als ich wieder in Uquia ankomme, hat sogar der kleine Dorfladen geöffnet und ich nehme eine Stärkung zu mir, bevor ich mich wieder an die Straße stelle, um auf den Bus nach Humahuaca zu warten.

Humahuaca ist Haupt- und Endort der Quebrada de Humahuaca und liegt auf etwa 3000 Metern Höhe. Die verschlafene Ortschaft hat sich auf jeden Fall ihre Ursprünglichkeit bewahrt und neben dem fair gehandelten Kunsthandwerk empfehle ich das traditionelle Essen, das man hier noch überall bekommt. Ich schlendere durch die hübschen Gassen im Ortskern und schaue mir die alte Kirche an, die im Inneren rundherum mit Kaktusholz verkleidet ist. Am Glockenturm öffnet sich jeden Mittag um 12 Uhr eine Tür und eine lebensgroße Figur des heiligen Francisco Solano segnet alle Anwesenden. Highlight von Humahuaca ist aber eindeutig das Monumento a la Independencia. Es erinnert an den indianischen Teil zu Erringung der Unabhängigkeit, was aber in Kontrast zur heutigen Realität steht. Oder wie kommt es, daß diese heldenhaften Kämpfer für die Unabhängikeit heute zu den ärmsten Menschen Argentiniens gehören?

Wieder zurück in Tilcara blicke ich schon jetzt etwas wehmütig auf meine Tage in diesem wunderschönen Tal zurück und bedanke mich bei den Menschen, die mir hier eine unvergessliche Zeit bereitet haben. Mein nächstes Ziel sind die zentralen Anden, mit Mendoza und dem Cerro Aconcagua.

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