Wie verhalte ich mich richtig am Berg?

Was bedeutet eigentlich Klettertaktik? Taktik bedeutet planmäßiges Handeln und beinhaltet somit alle Maßnahmen und gedanklichen Vorbereitungen, sowie die eigentliche Durchführung der Tour. Da das klassische Felsklettern und das Sportklettern zwei ganz unterschiedliche Spielarten sind, müssen wir auch in der Taktik unterscheiden.

Beim alpinen Klettern ist eine gewissenhafte Planung und Vorbereitung der Tour unabdingbar. Wesentliche Punkte sind:

  • Tourenwahl
  • Ausrüstung
  • Zeitliche Planung
  • Zustieg
  • Einstieg
  • Verhalten während des Kletterns

Klettertaktik – Die richtige Tourenwahl

Voraussetzungen für die Tourenwahl sind Können, Kondition und die psychische Belastbarkeit der gesamten Seilschaft. Kein Teilnehmer darf zu schwach für die geplante Tour sein! Ist ein Tourenziel gefunden, müssen möglichst detaillierte Informationen über Schwierigkeiten, Länge und Besonderheiten eingeholt werden. Die Wetterlage und die alpinen Verhältnisse spielen dabei eine entscheidende Rolle, deshalb sollte man auch immer ein Ausweichziel haben. Eine Unternehmung darf auch bei idealen Verhältnissen nie an der Leistungsgrenze liegen – Sicherheitsreserve!

Klettertaktik - Abseilen an der Steinwand

Abseilen an der Steinwand

Klettertaktik – Die richtige Ausrüstung

Sind ausreichend Informationen über die Tour zusammengetragen, geht es an die Zusammenstellung der Ausrüstung. Du solltest dir gut überlegen, was wirklich notwendig ist aber trotzdem alles Wesentliche dabeihaben. Zuviel Ausrüstung wird dein Klettertempo verlangsamen und stellt ein Sicherheitsrisiko dar.

Klettertaktik – Die zeitliche Planung

Nur erfahrene Seilschaften werden die Führerzeiten einhalten oder unterbieten. Je größer die Seilschaft desto mehr Zeit wird benötigt, die kalkuliert werden muß. In jedem Fall sollte eine Reserve für unvorhergesehene Vorfälle eingeplant werden.

Klettertaktik – Der Zustieg

Beim Zustieg sollte man schon das Gelände / Routenverlauf erkennen und sich auch einprägen. Oft sieht man dies aus einiger Entfernung besser (ein kleines Fernglas kann dabei sehr nützlich sein). Auch die Hüttenwirte haben meist sehr hilfreiche Tipps auf Lager. Befindet sich der Zustieg in einem Steinschlagbereich ist hier schon der Helm zu tragen!

Klettertaktik – Der Einstieg

Der Platz sollte unbedingt sicher und möglichst eben sein. Hier muss der Gurt angelegt und das Material sortiert werden. Es empfiehlt sich immer zwei Keile oder Klemmgeräte in einem Karabiner zu haben und der Größe nach am Gurt einzuhängen, was auch in kritischen Situationen einen schnellen Zugriff erlaubt. Bandschlingen und ähnliches Material sollten ebenso angeordnet sein (also nicht über Kreuz, o.ä.). Das Topo muss ebenfalls immer griffbereit sein.

Klettertaktik – Verhalten während des Kletterns

Folgende Punkte sind unbedingt zu beachten, um Kraft zu sparen und die nächsten Aktionen zu planen.

  • Immer mit Leistungsreserve klettern
  • Reversibel Klettern
  • Vorausschauend Klettern
  • Tritte und Griffe auf ihre Festigkeit überprüfen (Klang!)
  • An den Rastpunkten Sicherung anbringen
  • Ist man noch auf der Route?
  • Planung der folgenden Kletterpassage

Während beim alpinen Klettern jeder Sturz ein nicht zu kalkulierendes Risiko darstellt, verhält es sich beim Sportklettern etwas anders. Man will seine Leistungsgrenze ausloten und dies bedeutet: Stürzen! Man unterscheidet zwischen unkontrollierten und kontrollierten Stürzen. Der unkontrollierte Sturz erfolgt z. B. mittels Griffausbruch und birgt Verletzungsrisiko, während der kontrollierte Sturz absichtlich in Kauf genommen wird:

  • Route gut abgesichert?
  • Gelände sturzfreundlich?
  • Aufmerksamer Sicherungspartner?
  • Beherrsche ich die Sturztechnik?

Wenn der Sturz kontrolliert beginnt, endet meist auch der Anprall an der Wand kontrolliert:

  • Nicht zu weit nach hinten abspringen
  • Rumpf nach vorne beugen
  • Knie und Hüfte leicht abwinkeln und die Beine etwas spreizen
  • Die gesamte Muskulatur anspannen (Bauchmuskeln und Hüftbeuger!)
  • Bei kurzen Stürzen leicht nach hinten abkippen
  • Bei längeren Stürzen kein Abkippen

Da beim Sportklettern die Optimierung im Vordergrund steht, gilt es Ziele zu definieren:

  • Klettern der Route on-sight?
  • Speedbegehung?
  • Klettern einer Maximalschwierigkeit?

Ist ein Ziel definiert, benötigt man auch hier wieder möglichst detaillierte Informationen über Routenverlauf, Art der Kletterei, Verteilung der Schwierigkeiten, Rastpunkte und die Art und Qualität der Fixpunkte. Jetzt wird die Route inspiziert und hinsichtlich der gesammelten Informationen analysiert:

  • Wo liegen die Rastpunkte?
  • Wie sind die Schwierigkeiten verteilt?
  • Welche Klettertechniken müssen angewendet werden?
  • Sicherungsmaterial?
  • Zusätzliche Sicherungen?
  • Aus welchen Positionen muss ich die Sicherungen anbringen?
  • Seilverlauf?
  • Wo darf ich Stürzen und wo auf keinen Fall?

Um eine Route auszubouldern sind folgende Tipps recht hilfreich:

  • Nur kurze Teilabschnitte klettern, maximal 20-30 Sekunden
  • Das Übersäuern der Muskulatur unbedingt vermeiden
  • Nicht zu lange an Maximalkraftstellen aufhalten
  • Zwischen dem Einstudieren der Abschnitte, Pausen von mindestens 3 Minuten einhalten

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