Hoher Meißner – Auf den Spuren von Frau Holle.

Schon der erste Ausblick vom Parkplatz Schwalbenthal auf die Höhen der Hessischen Schweiz lässt auf eine schöne Tour hoffen. Das Bergbaudorf Schwalbenthal wurde als Folge des seit 1584 andauernden untertägigen Abbaus von Braunkohle gegründet. 1907 verursacht angestautes Wasser in einem Stollen einen mächtigen Bergrutsch. Das Dorf wurde in seinen Grundfesten erschüttert und seitdem ist nur noch das ehemalige Bergbauamt als Zeitzeuge geblieben.

Ein Berghund am Hohen Meißner

Ein Berghund


Auf einer schmalen Teerstraße gelangen wir zu einer kleinen Freifläche mit einem alten Stolleneingang und verschiedenen Infotafeln, die den ehemaligen Bergbau in dieser Region näher erläutert. Ohne die Braunkohle vom Hohen Meißner wäre das Sieden von Salz in Bad Sooden kaum möglich gewesen. Dies hat in der Region ganz erheblich zum späteren Wohlstand beigetragen.

Die Brüder Grimm waren hier heimisch und ließen sich von der verwunschenen nordhessischen Landschaft zu ihren Märchen inspirieren. Der urige Pfad entlässt uns bald auf einen breiten Forstweg. Wir passieren eine große Blockhalde, steigen durch lichten Buchenwald an den Hängen des Hohen Meißners empor und tappen doch tatsächlich in eine Kamerafalle – diese ist hier zur Bestandsaufnahme des erst kürzlich wieder zurückgekehrten Luchses angebracht worden. Ob Frau Holle auch auf einem der Fotos zu sehen ist?

Hoher Meißner - Oberhalb der Seesteine

Oberhalb der Seesteine


Nach unserem unfreiwilligen Fotoshooting beginnt der steile Abstieg zu den Seesteinen, einer Waldparkanlage, die 1880 von Naturfreunden und Forstleuten hier errichtet wurde. Die Anlage besteht aus einer Ansammlung von mächtigen Basaltsteinen und seinen Namen hat das Naturdenkmal von einem inzwischen versandeten See unterhalb der Steine.

Ein Forstweg führt uns zu den artenreichen Blumenwiesen am Meißnerhaus. Hier sind Arnika, Campanula, Prachtnelke und seltene Orchideen zu Hause. Berauscht von der bunten Blütenpracht steigen wir durch den Zauberwald ab, um nach einem kurzen Gegenanstieg die Kitzkammer zu erreichen.

Um diesen fast magischen Platz ranken sich natürlich zahlreiche Sagen. Dem Wanderer soll hier von Zeit zu Zeit eine hohe weiße Frau mit einem mächtigen Schlüsselbund erscheinen, um kurz darauf wieder in der Kitzkammer zu verschwinden. Ob dies der Schlüssel zu ihrem unterirdischen Reich ist? Ein anderes Märchen erzählt, dass Frau Holle hier zänkische Mädchen in Katzen verwandelt und in der Kitzkammer einsperrt haben soll. Ganz nüchtern betrachtet ist die Kitzkammer dünnflüssige Lava, die senkrecht zur Abkühlungsfläche kristallisierte. So konnten diese bizarr anmutenden, mehreckigen Basaltsäulen entstehen.

Frau Holle Teich - Hoher Meißner

Am Frau Holle Teich


Ein traumhaft weicher Waldpfad führt uns stetig bergan bis zur Kasseler Kuppe, die mit 748 m den den höchsten Punkt unserer Tour markiert. Von hier steigen wir steil hinunter bis zum wunderschön gelegenen Frau Holle Teich. Darf man der Sage glauben schenken, ist der Teich unendlich tief und Eingang zu Frau Holles unterirdischem Reich. Hier gibt es ein silbernes Schloss mit Garten, vielen Blumen sowie Obst und Gemüse. Vor allem an Frauen und Mädchen verschenkt Frau Holle diese Gaben freigiebig. Ferner wird erzählt, dass sich Frau Holle mittags als schöne Frau in der Mitte des Teichs badend zeigt. Sie soll ab und zu Reisende oder Jäger verführt oder mit ihnen Schabernack getrieben haben.

Fest steht auf jeden Fall, dass der große Busen der Holzstatue für einige Streitigkeiten sorgte – so musste sich sogar die Frauenbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises mit Frau Holles üppigen Rundungen beschäftigen.


Über den steilen Eulenstieg gelangen wir zum Kalbesee. Nach dem schönen Blick auf den See und die Stinksteinwand führt uns der Pfad direkt zum Gipfel der Kalbe. Von hier öffnet sich der Blick nach Nordosten über das Werratal bis hinüber zum Harz. Schade, dass es heute etwas bedeckt ist – wir können die Aussicht nur erahnen und beschließen, ein kleines bisschen wehmütig, diese Königstour auf dem Premiumwanderweg P1 Hoher Meißner.

Gesamtstrecke: 13970 m
Maximale Höhe: 749 m
Minimale Höhe: 534 m
Gesamtanstieg: 686 m
Gesamtabstieg: -690 m
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