Eine aussichtsreiche Wanderung vom Hochgrat bis zum Mittag im Allgäu.

Die Nagelfluhkette trägt ihren Namen aufgrund ihrer Gesteinsart. Nagelfluh bezeichnet im nördlichen Alpenvorland ein geologisch noch junges Konglomeratgestein. Auf etwa zwanzig Kilometern Länge reihen sich in westsüdwestlicher Richtung insgesamt sechzehn Gipfel aneinander. Der westlichste Gipfel dieser Bergkette ist der Hochhäderich. Auf dem Sattel vom Hohen Häderich bis zum Hohenfluhalpkopf verläuft die deutsch-österreichische Grenze. Zwölf Gipfel der Nagelfluhkette liegen in Deutschland und der Hochgrat markiert mit seinen 1834 m Höhe den höchsten Punkt auf dieser Wanderung.

Für diese lange Wanderung im Naturpark Nagelfluhkette schäle ich mich extra früh aus dem gemütlichen Bett des Rottenburger Hauses in Wiedemannsdorf. Die Wettervorhersage ist für die Nagelfluh-Gratwanderung nicht wirklich prickelnd. Bereits für den frühen Nachmittag sind Gewitter angesagt, das ist auf dem ausgesetzten Grat eine ernsthafte Sache und deshalb möchte ich auch unbedingt den ersten Bus von Oberstaufen zur Hochgratbahn in Steibis erwischen. „Behalte bloß das Wetter im Auge, meistens kommt es von der Schweiz her aufgezogen!“, mahnt mich ein freundlicher Mitarbeiter der Talstation und schließt die Tür zur Gondel. Sanft schwebe ich hinauf zur Bergstation und erfreue mich am tollen Ausblick auf den Bodensee und die Allgäuer Alpen.

Dem Staufner Haus statte ich heute keinen Besuch ab, aber die urige Atmossphäre dieser Hütte sollte man mal erlebt haben. Ich folge dem steinigen Pfad hinauf zum 1834 m hohen Gipfel des Hochgrat. Oben angekommen zeigt sich die Kronenreihe der Alpen und ich genieße ein Bergpanorama, das vom Säntis bis zur Zugspitze reicht. Unter endlos vielen Gipfeln nehme ich die markante Silhouette des Hochvogels war, ein weiteres Ziel, das ich mir für die nahe Zukunft vorgenommen habe.

Über den lang gezogenen Ostgrat wandere ich in die Brunnenauscharte und von dort steige ich wieder hinauf zum Westgipfel des Rindalphorns. Der nun anspruchsvolle Grat führt mich auf direktem Weg zum Gipfelkreuz. Auch von diesem Berg eröffnet sich bergerfahrenen Wanderern ein einzigartiger Rundumblick auf die Allgäuer Berge. Der Abstieg durch das Geröll, bis tief in die Gründlesscharte, verlangt mir einiges an Konzentration ab. Ich kann mir jetzt schon denken, wie sich der folgende Aufstieg zum nächsten Gipfel, dem Gründleskopf, gestaltet! Steil steige ich entlang des Graskamms hinauf zum Gründleskopf – der Wind peitscht mir heftig ins Gesicht und ein Blick zurück auf die Nagelfluh-Kette zeigt, dass ein Wetter aufgezogen ist.

Ein luftiger Grat bildet den Übergang zum imposanten Buralpkopf. Der schmale Pfad verlangt absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ein Gang auf Messers Schneide, schießt es mir aufgrund des starken Windes durch den Kopf. Die Wolken ziehen schnell und ich lege einen Schritt zu, da mir noch einige Drahtseilpassagen bevorstehen. Immer im Hinterkopf, dass ich bei aufziehendem Gewitter zwischen dem Gipfel des Stuiben und dem Steineberg noch eine Rückzugsmöglichkeit hinunter in Richtung Tal zur Alpe Gund habe, lege ich noch einen Zahn zu. Der Ostgrat fällt vor allem nach Norden steil ab und mit Hilfe eines Drahtseils gelange ich hinunter in die Scharte. Das Wetter ist glücklicherweise genauso schnell abgezogen wie es augekommen ist und ich nehme den Gegenanstieg zum Gipfel des Sedererstuiben in Angriff. Schon bald darauf stehe ich auch auf dem Gipfel des Stuiben.

Kurz vor dem Steineberg passiere ich eine weitere anspruchsvolle Stelle, die aber mit Stahlseilen entschärft ist. Über einen bequemen Weg erreiche ich den Gipfel des Steinebergs. Nach kurzer Rast gelange ich über eine etwa fünfzehn Meter lange Leiter zum Fuss der Felswand. Ich überwinde eine letzte drahtseilgesicherte Passage bevor mich ein bequemer Waldweg zum Bärenkopf und zur Bergstation des Mittagberg führt. Ich lasse die Beine baumeln und schwebe glücklich mit der Mittagbahn hinunter ins Tal nach Immenstadt.

Vom Bahnhof Immenstadt gelange ich zurück zum Ausgangspunkt dieser Tour in Oberstaufen. Für erfahrene Wanderer, die eine gute Kondition haben, ist die Nagelfluh-Gratwanderung durch den gleichnamigen Naturpark wirklich eine der schönsten Bergtouren im Allgäu!

Tipps Wandern Nagelfluhkette:

  • Ich kann euch für die Gratwanderung Nagelfluhkette eine Übernachtung im Rottenburger Haus wärmstens empfehlen – ihr werdet auf einem Campingplatz kaum günstiger unterkommen! Hier findet ihr die Übernachtungspreise der DAV Sektion Rottenburg.
  • An der Talstation Hochgratbahn gleich eine Verbundkarte mit der Mittagbahn kaufen, dann wird es etwas günstiger.
  • Nutzt öffentliche Verkehrsmittel! Die Verbindungen zwischen Oberstaufen und Immenstadt sind hervorragend.

Fotostrecke Gratwanderung Nagelfluhkette

Die Nagelfluh-Gratwanderung bietet imposante Ausblicke und ein wunderschönes Bergerlebnis zwischen dem Hochgrat bei Oberstaufen und dem Mittag bei Immenstadt im Allgäu.

Tourensteckbrief Gratwanderung Nagelfluhkette

Charakteristik: Anspruchsvolles Bergwandern (T3)

Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober

Startpunkt der Tour: Bergstation Hochgratbahn in Oberstaufen/Allgäu

Endpunkt der Tour: Bergstation der Mittagbahn in Immenstadt/Allgäu

Die Tour führt teilweise über ausgesetzte und gesicherte Stellen, daher sind absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unerlässlich. Die Tour sollte nur bei stabiler und sicherer Wetterlage begangen werden!

Schwierigkeit

70%

Kondition

70%

Erlebnis

85%

Landschaft

85%

Tour- & GPX-Daten

volle Distanz: 15737 m
Maximale Höhe: 1814 m
Minimale Höhe: 1408 m
Gesamtanstieg: 1459 m
Gesamtabstieg: -1722 m
Download
Gratwanderung Nagelfluhkette
5 (100%) 9 vote[s]

4 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Hiermit stimme ich zu.

Über den Dropdown hast Du die Möglichkeit auszuwählen, ob Du eine E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren zu diesem Beitrag erhalten möchtest. Du kannst auswählen, ob Du nur Antworten auf deine oder auf alle Kommentare in diesem Beitrag erhalten möchtest.

Wichtig: Die Standardeinstellung ist nicht abonnieren. Du erhältst also keine Benachrichtigungen zu diesem Beitrag, wenn Du keine Auswahl triffst!

Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zum Datenschutz & Google Analytics Opt-out

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen