Annapurna Basecamp Trek – Individuelles Lodgetrekking im Annapurna Himal

Nachdem ich Kathmandu ausgiebig erkundet und meinen Magen ein wenig an das wirklich hervorragende nepalesische Essen gewöhnt habe, mache ich mich auf den Weg nach Pokhara. Nach zwei Tagen Aufenthalt und einigen kleineren Touren rund um Pokhara, fühle ich mich bereit, meine erste Trekkingtour in Nepal in Angriff zu nehmen. Ich fahre mit dem Bus nach Phedi, wo es dann zu Fuß weiter geht.

Annapurna Basecamp Trek von Phedi nach Landruk

Schon nach den ersten wenigen Kilometern fange ich innerlich an zu fluchen. Hätte ich gewusst, dass es hier so viele Steinstufen und Treppen zu überwinden gibt, wäre zu Hause nicht Ausdauertraining, sondern Treppensteigen in meinen Fokus gerückt. Was soll´s! – Schon jetzt bin ich von der wunderschönen Landschaft überwältigt und dies entschädigt schließlich für alle Strapazen. In Dhampus gibt es einen ACAP Tourist Check und ich lasse mir brav mein Entry Permit abstempeln. Dies ist ja letztendlich auch zu meiner eigenen Sicherheit, falls ich irgendwo verloren gehe. In Pothana stärke ich mich noch mit einer riesigen Portion Dal Bhat und mache mich auf den noch langen Weiterweg bis nach Landruk.

Annapurna Conservation Area Project - Entry Permit

Annapurna Conservation Area Project – Entry Permit

Annapurna Basecamp Trek von Landruk nach Chomrong

Diese Etappe führt mich, wie bereits die vorherige, durch Reisterrassen und kleine Dörfer. Die Menschen hier sind einfach nur liebenswert. Ich habe stetig den Eindruck, dass sie ihr letztes Hemd für mich geben würden, auch wenn sie selbst überhaupt nichts besitzen. Dies liegt halt in der Mentalität der Nepalis. Ich genieße die Stille. In dieser fantastischen Bergwelt fahren keine Autos mehr, kein Gehupe und auch sonst ist kein Maschinenlärm zu hören. Waren werden mit Maultieren höchstens bis nach Chomrong gebracht, danach wird alles selbst getragen.

Maultiere zum Lastentransport

Maultiere zum Lastentransport

Annapurna Basecamp Trek von Chomrong nach Deurali

Ich komme meinem Ziel immer näher. Als ich morgens in Chomrong aus der Lodge trete, erwartet mich ein gewaltiger Anblick auf die Annapurna South mit dem Verbindungsgrat zum Hiunchuli. In Chomrong gibt es eine kleine Besonderheit, denn man muss im Ort (nach Angaben der Einheimischen) knappe 3000 Stufen runter, bzw. auf dem Rückweg auch wieder hinauf bewältigen. – Ab jetzt „hasse“ ich Treppenstufen und mein Bereich der unteren Extremitäten brennt wie Feuer! Ab Chomrong steigen die Preise etwas, da ab hier wirklich jede einzelne Flasche zum Kochen und auch jede Cola-Dose auf dem Rücken eines Trägers befördert wird. Der Trek führt bis nach Bamboo durch einen dichten Rhododendron- und Bambuswald. Kurz hinter Bamboo ändert sich plötzlich das Landschaftsbild und es wird schroff, steinig und hochalpin. Der Pfad führt immer entlang des Modi Khola mit teils atemberaubenden Ausblicken auf den Machhapuchchhre.

Annapurna South mit Verbindungsgrat zum Hiunchuli

Annapurna South mit Verbindungsgrat zum Hiunchuli

Annapurna Basecamp Trek von Deurali über Machhapuchchhre Basecamp zum Annapurna Basecamp

Zu meinem Glück drückt es dieses Jahr den Monsun, früher als sonst, aus der indischen Tiefebene in die Berge des Himalayas. Was etwa tausend Meter weiter unten als Regen runterkommt, fällt in Deurali als Neuschnee – sehr viel Neuschnee sogar! Da die Lodge total überfüllt ist, bleibt mir nichts anderes, als im Zelt zu schlafen. Die Temperatur fällt nachts sogar auf über -10° Celsius. Zum Glück habe ich einen Schlafsack dabei, der diesen Temperaturen einigermaßen standhält. Ab vier Uhr morgens mache ich kein Auge mehr zu und beginne in der Eiseskälte den Aufstieg von Deurali (3000 m ü. NHN) über das Machhapuchchhre Basecamp (3750 m ü. NHN), wo ich mir noch einen heißen Zitronentee gönne bis hinauf zum Annapurna Basecamp (4130 m ü. NHN). Der frühe Aufbruch hatte bei dem vielen Neuschnee durchaus seinen Sinn, da die Sonne im April die Neuschneeauflage so aufheizt, dass ab spätestens Mittag mit vielen Lawinenabgängen zu rechnen ist. Durch die Lage und Geländebeschaffenheit ist der Weg von Deurali bis zum Annapurna Basecamp wirklich sehr ernst zu nehmen und man sollte wissen, auf was man sich hier einlässt!

Unterhalb des Machhapuchchhre Basecamp

Unterhalb des Machhapuchchhre Basecamp – In der Bildmitte wühle ich mich durch den Neuschnee

Annapurna Basecamp Trek vom Annapurna Basecamp nach Bamboo

Nach einer weiteren kalten und unruhigen Nacht, mache ich mich wieder früh am Morgen an den Abstieg. Die Schneeauflage ist hart. So komme ich schnell voran und stehe schon nach etwa 2,5 h Stunden wieder in Deurali. Dort genehmige ich mir ein ausgiebiges Frühstück und wärme mich erstmal auf. Mittlerweile bin ich schon recht gut akklimatisiert und auch der restliche Abstieg bis Bamboo ist schnell bewältigt. Da mir die Landschaft hier beim Aufstieg schon so gut gefallen hat, verbringe ich auch die Nacht in der Green View Lodge und freue mich auf eine heiße Dusche.

Die Green View Lodge in Bamboo

Die Green View Lodge in Bamboo

Annapurna Basecamp Trek von Bamboo nach Tadapani

Ich habe das erste Mal seit zwei Tagen wieder richtig gut geschlafen. Wahrscheinlich war das ganze Grün ringsum und die heiße Dusche so richtig entspannend…Bevor ich bis nach Tadapani laufe, mache ich noch einen Abstecher zu den heißen Quellen von Jhinu Danda, um den müden Beinen noch etwas Erholung zu gönnen.

Blick auf Tadapani

Blick auf Tadapani

Annapurna Basecamp Trek von Tadapani nach Ghorepani mit Besteigung des Poon Hill

Ab Tadapani führt der Weg durch ursprüngliche Gurung Dörfer und einer Landschaft mit tollen Ausblicken, Rhododendren, Gebirgsflüssen und vorbei an kleinen Wasserfällen, bis ich schließlich das unterhalb einer Passhöhe gelegene Ghorepani erreiche. Da ich mich nach den etwa zehn Kilometern noch frisch genug fühle, besteige ich gleich den Aussichtsberg Poon Hill (3191 m ü. NHN). Leider hat es sich am Nachmittag schon wieder zugezogen und ich habe nichts von der vielgerühmten Aussicht. Sch… drauf! – Bei schönem Wetter kann man sie wahrscheinlich wegen der vielen Touristen nicht wirklich genießen.

Annapurna Basecamp Trek von Ghorepani nach Naya Pol

Der letzte Tag der Runde führt mich nochmal durch kleine Dörfer, über Reis- und Kornterrassen und vor allem wieder über unzählige Stufen, bis hinunter nach Naya Pol, wo mich der Bus erwartet. Meinen Muskelkater vom Treppensteigen des letzten Tages kann ich ja zum Glück in Pokhara auskurieren.

5 Tipps für Unterwegs

  • Sei vorsichtig mit den Begrifflichkeiten! Für Steigungen gibt es z. B. flat, was aber praktisch nie vorkommt und nepali flat, was in etwa nicht ganz so extrem steil heißt. Das ist aber auch Definitionssache!
  • Genauso ist es mit: „Es ist nicht mehr weit!“, aber das kennt ihr ja noch aus eurer Kindheit!
  • Poon Hill ist Sch…! Entweder siehst Du nichts oder bist mit einer ganzen Busladung hier oben!
  • Mach dich frei von Duschen oder Toiletten. Interessant wird der Gang aufs Örtchen vor allem im Dunkeln…Also lass´die Stirnlampe ruhig zu Hause!
  • Ein Treppenlifter in manchen Orten wäre hilfreich, Trekkingstöcke tun es aber auch!
volle Distanz: 105201 m
Maximale Höhe: 4122 m
Minimale Höhe: 1007 m
Gesamtanstieg: 8534 m
Gesamtabstieg: -8591 m
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Annapurna Basecamp Trek und Poon Hill
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4 Comments

  • Tino sagt:

    Hallo Alex,

    bin eher zufällig gerade auf Deinen Artikel hier gestoßen und frage mich, warum nicht schon früher als ich nach guten Artikeln zum ABC gesucht habe. Wenn das Datum stimmt, warst Du 2001 da – ich war 2013 dort und musste bei vielen Beschreibungen schmunzeln … 12 Jahre und es hat sich scheinbar kaum etwas verändert ;) Allerdings hatte ich mit meiner Gruppe nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter und viel Regen (http://www.tinontour.com/topic/reiseberichte/wanderurlaub/annapurna-base-camp-himalaya-12-21-06-2013/) … aber dennoch eine schöne Tour und Poon Hill fand ich gut … war einer der wenigen Momente wo ich den Blick auf die 8000er genießen konnte ;)

    LG
    Tino

    • Hallo Tino,

      das Datum stimmt! Manchmal ist es gut, wenn sich das Rad nicht so schnell dreht und sich die Dinge eher langsam verändern. Bei Nepal trifft das anscheinend zu…

      Ich war damals im März/April dort. Hoch oben im Himalaya hat mir der frühe Monsun schon manch kleines Problem in Form von Neuschnee bereitet.

      Liebe Grüße

      Alex

      • Tino sagt:

        … das glaube ich Dir gerne. Ging uns ja ebenfalls so. Wir waren zunächst sehr optimistisch, da der große Regen schon früher kam und die zwei Wochen vor der Wanderung bestes Wetter war – auch der erste Tag war noch schön, aber dann … Naja, dennoch ein tolles Erlebnis und eben ein Grund irgendwann noch mal zu kommen ;)

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